Das Ing. Büro Hydrokontor hat hierfür ein HWR-Tool entwickelt, dass auch über das Internet zugänglich gemacht werden soll. Anschließend fand die Jahresversammlung statt. Nach dem Bericht über das vergangene Jahr wurden die beabsichtigten Veranstaltungen für 2009 besprochen. Bei den drei alternativen Exkursionsvorschlägen nach
a) Dresden(BWK-Bundestagung),
b) Thüringen(Pumpspeicherbecken Leibis/Lichte, Erfurt
usw. )
c) Hamburg/Dänemark
fiel die Wahl auf letzteres.
Veranstaltung: “Biogasanlagen"am 26.5.2009
Die Kollegen Jürgen Windmeier (UWB-Soest) und Manfred
Steinwachs (UWB-Paderborn) berichteten im Haus Düsse,
dem landwirtschaftlichen Versuchsgut bei Bad Sassendorf, über
die wasserrechtliche und - technische Seite der Biogasanlagen.
Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf Fehler, beobachtete
Mängel und Unfälle. In diesem Zusammenhang wurde
ein im Entwurfstadium befindliches entsprechendes Merkblatt
vorgestellt. Anschließend wurde die Thematik unter den
Teilnehmern lebhaft diskutiert.
Letztendlich bleibt festzustellen, dass aus wasserwirtschaftlicher
und wasserrechtlicher Sicht noch viel zu tun bleibt.
Eine Besichtigung der versuchsguteigenen Biogasanlage rundete
die gelungene Veranstaltung ab.
Fachexkursion nach Hamburg und Dänemark vom 24.9.09
bis zum 27.9.09
Am frühen Morgen gestartet, war der erste Stopp bei
dem Projekt der Stadt Hamburg
„ HafenCity “ geplant.
Hamburg „HafenCity“
Der erste Anlaufpunkt unserer Exkursion war die neue HafenCity
in Hamburg. Herr Jahnke von der Hafencity Hamburg GmbH führte
uns über den sich entwickelnden neuen Stadtteil Hamburgs.
Die HafenCity Hamburg GmbH als Tochter der Freien und Hansestadt
Hamburg hat unter anderem die Aufgabe die Erschließungsmaßnahmen
zu planen und durchzuführen.
Die HafenCity ist ein einmaliges Projekt der Innenstadtentwicklung
in Europa. In unmittelbarer Nähe zum Hamburger Zentrum
gelegen, vergrößert es dieses um 40 Prozent. Über
die historische Speicherstadt gelangt man auf das bisher als
Gewerbe- und Industriegebiet genutzte Hafengelände direkt
an der Elbe.
Insgesamt sollen in den nächsten Jahren ca. 5.500 Wohnungen
für 12.000 Menschen und über 40.000 Arbeitsplätze
entstehen. Bisher sind die beiden Quartiere Sandtorkai und
Dalmannkai fertig gestellt, weitere sind im Bau oder befinden
sich in der Planungsphase.
Aus wasserwirtschaftlicher Sicht interessant ist, dass die
HafenCity sich außerhalb der öffentlichen Hochwasserschutzlinie
der Innenstadt liegt. Aus diesem Grunde sieht das Konzept
der HafenCity vor, Teile des Gebietes, die heute eine Höhe
von 4,50 bis 7,2 Meter üNN haben, auf ein hochwassersicheres
Niveau von mindestens 7,5 Meter üNN zu errichten. Diese
Plangebiete sind nach dem so genannten Warftenprinzip durch
ihre höhere Lage vor Überflutungen geschützt.
Da die alten Kaianlagen nicht mit zusätzlicher Auflast
durch Bodenmaterialien und Gewicht belastet werden können,
nehmen die aufgehöhten Flächen einen Abstand von
bis zu 20 Metern von der Kaimauer ein. Diese freien Flächen
entlang der Uferzonen werden im Rahmen der Realisierung der
HafenCity zu attraktiven, qualitätsvollen öffentlichen
Stadträumen, z.B. zu maritimen Promenaden umgestaltet.
Die hafentypischen Bezüge zu den Wasserflächen und
die vorhandenen Kaimauern bleiben hierdurch weitgehend erhalten.
Die Entwicklung der HafenCity fordert neben der Entwicklung
von baulichorganisatorischen Lösungen für den Schutz
von Menschen und Gebäuden vor Hochwasser, ein hochliegendes
Wegenetz. Dieses hochwassersichere Wegenetz garantiert auch
bei extremen Sturmfluten eine uneingeschränkte Zufahrt
für Feuerwehr- und Rettungsdienste. Hochliegende Wegeverbindungen
werden in jeder Entwicklungsphase der HafenCity realisiert,
um die Zugänglichkeit jedes Einzelgebietes für Feuerwehr-
und Rettungsfahrzeuge zu gewährleisten.
Die Entwässerung erfolgt im Trennsystem, wobei das verschmutzte
Regenwasser vor der Einleitung in die Elbe gereinigt wird.
Im Hochwasserfall wird das Schmutzwassernetz abgeschiebert
und abgepumpt.
Eine weitere Aufgabe der Erschließung ist die Entsandung
der ehemaligen Hafenbecken. Da diese über Jahre hinweg
nicht genutzt wurden wirkten sie wie Sandfänge der Elbe.
Der entnommene Schlick ist kontaminiert und muss aufbereitet
werden. Der Traditionshafen ist schon fertig, als nächstes
steht der Yachthafen an.
Nach dem sehr informativen Rundgang durch Europas größtes
Stadtentwicklungsprojekt brachte uns der Bus zu den Landungsbrücken
St. Pauli, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden und
im 2. Weltkrieg jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen worden
waren.
Dort wartete schon die Barkasse Ruth auf uns, die uns auf
eine informative Rundfahrt durch den Hamburger Hafen nahm.
Der Hamburger Hafen, oft auch als Tor zur Welt bezeichnet,
liegt von der Mündung der Elbe in die Nordsee, 115 km
landeinwärts an der Unterelbe und nimmt eine Fläche
von 7250 ha ein, wovon 4331 ha Landfläche sind. Die Geschichte
des Hamburger Hafens reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück.
Damals betrieb die 200 Einwohner Siedlung schon Fernhandel.
Obwohl der Hafen an einem Fluss liegt, ist er nicht nur Deutschlands
größter Seehafen, sondern auch Europas zweitgrößter
Containerhafen. Das Hafengebiet liegt überwiegend im
Süden von Hamburg. Oberhalb von Hamburg verzweigt sich
die Oberelbe in Norder- und Süderelbe, um sich nach ca.
15 km in Höhe von Altona wieder zur Unterelbe zu vereinen.
Die Hafenanlagen liegen überwiegend an diesen beiden
Elbarmen. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Containertransport
jedoch immer mehr durchgesetzt, so dass westlich des Zusammenflusses
der beiden Elbarme an der Unterelbe leistungsfähige Umschlaganlagen
für Container entstanden sind.
Die Elbe hat bei Hochwasser eine Tiefe von 16, 3 m. Der mittlere
Tidehub beträgt 3,63 m; der Gezeitenstrom 2,5 Knoten;
das sind 4,6 km/h. Unabhängig vom Wasserstand können
Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 12,8 m in den Hafen
ein- oder auslaufen.
Zunächst führte uns die Fahrt auf der Ruth durch
die Speicherstadt, die bis heute der größte zusammenhängende
Lagerhauskomplex der Welt ist und auf Tausenden von Eichenpfählen
gegründet ist. Mit den beeindruckenden neugotischen Backsteinfassaden
macht sie einen fast sakralen Eindruck. Heute hat dieser Teil
des Hafens für die Lagerung der Umschlaggüter keine
Bedeutung mehr. Gebaut wurde die Speicherstadt zusammen mit
dem Freihafen in der vorletzten Dekade des 19. Jahrhunderts.
Weiter führt die Rundfahrt an den Hafenanlagen der Norder-
und der Süderelbe vorbei. Umgeschlagen werden hier Güter
aller Art; von Sauggut über Massengut bis zu Stückgut.
Der Güterumschlag im Hamburger Hafen betrug 2008 140,4
Mio. Tonnen. Davon wurden 95,1 Mio. Tonnen in Containern umgeschlagen.
Das entspricht einem Umsatz von 9.737.000 TEU (Twenty Feet
Equivalents Units (Zwanzig Fuß Container)). Der Warenaustausch
mit Asien überstieg dabei 50 Prozent.
Am Zusammenfluss von Norder- und Süderelbe machte im
Westen der erst 2003 fertig gestellte Containerhafen Altenwerder
durch einen Wald von Kränen auf sich aufmerksam. Danach
ging es über die Norderelbe zurück zu den St. Pauli
Landungsbrücken.
Abends trafen ein paar von uns noch Prof. Dr. Ing. Erik Pasche,
der an der TH Hamburg Harburg lehrt. Ganz nebenbei zeigte
er uns das lebendige Leben in der Großstadt Hamburg.
Am nächsten Morgen ging es weiter nach Norden bis tief
in das Festland Dänemarks, nach Herning.
Die Bezirksgruppe Lippstadt-Paderborn des BWK besuchte im
Rahmen einer Exkursion nach Dänemark die H e r n i n
g R e n s e a n l ae g.
Dies ist eine Kläranlage im Mischsystem für 175.000
Einwohner und einen Schlachthof, der für die Hälfte
der Gesamtfracht, die in der Kläranlage biologisch behandelt
wird, verantwort¬lich ist. Verschiedene andere Betriebe
sind von untergeordneter Bedeutung. Das zugehörige Kanalsystem
hat eine Länge von 1.200 km.
Für Planung, Bau und Betrieb einschließlich Eigenüberwachung
ist die Kommune zuständig.
Die Anforderungen für die Gewässergüte werden
von der Regierung vorgegeben.
Das Eingangspumpwerk besteht aus drei Schnecken für einen
Mischwasserzufluss bis zu
2 m3/s. Die anschließende Rechenanlage ist in einem
Gebäude. Innerhalb des Gebäudes ist die Anlage vollständig
geschlossen mit Sichtfenstern an den einzelnen Anlagenteilen.
Nach dem zweistraßigen belüfteten Sandfang fließt
das Abwasser durch die zwei Rundbecken der Vorklärung.
Die Denitrifikation und die Nitrifikation werden in den vier
Umlaufbecken der Belebung durchgeführt. Die Belebungsbecken
sind mit Kerzenbelüftern am Boden ausgestattet. Eine
Besonderheit ist die Möglichkeit der jederzeitigen Entnahme
der Kerzenbelüfter, die an Schienen oberhalb des Flüssigkeitsspiegels
befestigt sind, für Reinigungs- und Reparaturzwecke.
Der Anteil der Verfahrensanteile zur Stickstoffentfernung
ist variabel. Das Abwasser fließt jeweils an der Stirnseite
der Belebungsbecken über Schwel¬len direkt in die
die parallel angeordneten Rechteckbecken der Nachklärung.
Diese verfügen über hydraulisch betriebene Grundräumer.
Zur Vergleichmäßigung des Zuflusses zur Kläran¬lage
sind zwei Pufferbecken mit insgesamt 10.000 m3 Volumen vorhanden.
Die Kläranlage Herning wurde nach der Errichtung 1993
weitgehend automatisiert. Heute besteht dort neben den üblichen
Messeinrichtungen eine Othophosphatmessung im Zulauf sowie
Messeinrichtungen für Ammonium, Nitrat und eine Redoxmessung
in den Belebungsbecken. In den zwei Faultürmen (mesophil
und thermophil) werden pro Tag ca. 200 m3 Biogas erzeugt,
das in einem Blockheizkraftwerk zur Beheizung der Faultürme
und der Gebäude sowie zur Stromerzeugung verwertet wird.
Der Überschüssige Schlamm wird mit Flockungsmitteln
behandelt, in einer Zentrifuge entwässert und anschließend
zur Verbrennung nach Deutschland verbracht.
Die Anforderungen an die Einleitung in den benachbarten Bach,
der nach kurzer Fließstrecke in den Gødstrup
Sø mündet, sind wie folgt:
BOD 10 mg/l, COD 75 mg/l, SS 15 mg/l, Tot N 8 mg/l, P 1 mg/l,
NH4-N 3 mg/l.
Die Istwerte für Gesamtstickstoff und Gesamtphosphor
liegen bei ca. 4 mg/l und bei ca. 0,2 mg/l. Der niedrige Wert
für Gesamtphosphor wird durch dreimalige Fällung
mit FeCl3 erreicht. Die Vorklärung ist vor der Vorklärung,
die Zwischenfällung vor der Nachklärung und eine
Nachfällung vor dem Sandfilter, der die letzte Behandlungsstufe
der Kläranlage ist.
An der Einleitungsstelle war eine braune Fahne sichtbar, die
die auf eine etwas zu hohe Fällmittelmenge schließen
lässt.
Am Abend stand noch die Besichtigung der Stadt Aarhus auf
dem Programm, immerhin die zweitgrößte Stadt Dänemarks.
Nach besonderen Häusern, kleinen Häusern, ein wenig
Geschichte belohnte ein abendlicher Ausblick vom Turm des
Rathauses für die Anstrengung.
Anschließend labte sich die Gruppe bei zugegeben teuren
dänischem Bier an dänischen Speisen in der Theater
Bodega.
Der Besuch bei Siemens Windpower am nächsten Tag zeigte einen Betrieb, der innerhalb der letzten Jahre wuchs und wuchs und inzwischen 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Hier werden die „ Maschinen“ und Flügel gebaut. Die größte Maschine leistet immerhin 3,2 MW, eine enorme Zahl für eine Windkraftmaschine. Dazu gehören natürlich auch gigantische Flügel, die als Grundbestandteil aus Balsaholz hergestellt werden. Außerdem verfolgt Siemens Windpower eine sehr eigene Firmenphilosophie, was seine Mitarbeiter anbetrifft. Man sieht sich als große Familie und es scheint zu funktionieren. Dies mit Blick auf die vielfältige nationale Zugehörigkeit der Mitarbeiter.
Am Nachmittag des 26.09.09 hatten wir etwas ganz besonderes
auf dem Programm, die weltgrößte Biogasversuchsanlage.
Sie befindet sich in Foulum, auf einem riesigen staatlichen
Versuchsgut. Dort wird von vielen Studenten, wissenschaftlichen
Mitarbeitern und Doktoranten der Universität Aarhus im
Bereich der Biogastechnologie, optimaler Tierhaltung und Pflanzenanbau
geforscht.
Uns wurde der weltgrößte Biogasversuchsreaktor
mit seinem Volumen von 1.200 m³ und einer täglichen
Gasproduktion von max. 5.700 m³ gezeigt, sowie der derzeitige
Versuchs-aufbau erläutert. Das Biogas wird aus Mischungen
von Jauche, Mais, Rüben und Grasschnitt produziert. Im
Jahr produziert die Anlage ca. 850.000 m³ Biogas. Daneben
befanden sich in einer benachbarten Halle kleinere Biogasreaktoren,
bis Hosentaschengröße, an denen die Biogastechnologie
erforscht wird.
Anschließend konnten wird einen modernen Kuhstall besichtigen,
wo dass melken der Kühe vom Computer durchgeführt
wurde und auch die Zeiten und die Häufigkeit des Milchabgabe
von der Kuh bestimmt wurde.
Sehr interessant waren auch die vier Lysimeter auf dem Gelände,
mit denen an verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen der
Wasserbedarf erforscht wird.
Am Sonntagmorgen ging es dann nach 3 erlebnisreichen Tagen gemächlich nach Westfalen zurück.
Bernward Tewes; Peter Wendland; Markus Mihatsch ; Alfred Koll; Veit Dreessen; Norbert Hurtig
Exkursion RRB Werl-West am 21.10.2009
Unter Führung von Dipl.-Ing. Wolfgang Sowa wurde bei
herbstlichem Sonnenwetter die im nördlichen Stadtrand
gelegene Großbaustelle besichtigt. Einen ersten Überblick
der vom Ing.-Büro Sowa geplanten Maßnahme wurde
Eingangs im Baucontainer anhand von Plänen gegeben. Am
Auslauf eines vorhandenen Regenüberlaufbeckens (RÜB)
ist ein rd. 20.000 m³ fassendes Regenrückhaltebecken
(RRB) als Trockenbecken geplant. Die anfallenden Aushubmassen
(rd. 50.000m³) wurden vor Abtransport mit Kalk stabilisiert
und anschließend zur weiteren Einbau in einem Lärmschutzwall
an der BAB A 44, abtransportiert.
Das Ablaufbauwerk wird als Schützbauwerk ausgeführt.
Bei drohendem Rückstau infolge von Hochwasser kann das
RRB dort abgeriegelt werden. Die Entleerung erfolgt dann über
ein ebenfalls vorgesehenes Hochwasserpumpwerk. Dem Auslaufbauwerk
folgt ein naturnah gestaltetes Ablaufgerinne, das im weiteren
Verlauf den angrenzenden Sönnerbach mit aufnimmt und
kurz vor der unterhalb liegenden Mülldeponie in den Salzbach
einmündet.
Am angrenzenden Salzbach selbst sind zur Strukturverbesserung
des Bachlaufes vier neuanzulegende Gewässerschlingen
vorgesehen.
Die Anlagen waren bis auf ein paar Restarbeiten zum Zeitpunkt
der Besichtigung fast vollständig fertig gestellt. Der
im Jahr 2009 trockene Sommer sorgte für einen zügigen
Bauablauf, sodass die geplante Bauzeit von einem Jahr sicher
eingehalten werden konnte.
Bei der anschließenden Begehung des ca. 20 ha großen
Areals konnten daher die Teilnehmer die Umsetzung der Planung
gut nach verfolgen.
Die Gesamtherstellungssumme der Maßnahme beträgt
rd. 3 Mio. Euro.
Als Resümee kann festgehalten werden, das die Maßnahme
ein Gewinn für die Natur und für die Wasserwirtschaft
darstellt.
Stephan Streicher
Resümee des Jahres:
Ein Programm mit nicht vielen , aber anspruchsvollen und gut
besuchten Veranstaltungen.
Norbert Hurtig


